Jugendfußball-Blog
Aktuelle Themen rund um Training, Förderung und Entwicklung im Kinder- und Jugendfußball. Für Trainer, Eltern und alle, die mehr wissen wollen.
Training
Kindgerechtes Grundlagentraining und Spielfreude
Das kindgerechte Grundlagentraining stellt die Basis aller weiteren Fußballentwicklung dar. Laut DFB-Ausbildungskonzepten sollte bereits in der F-Jugend das Ziel darin liegen, die Freude am Fußballspielen zu wecken.
Die Basis für alles Weitere
Das kindgerechte Grundlagentraining stellt die Basis aller weiteren Fußballentwicklung dar. Laut DFB-Ausbildungskonzepten sollte bereits in der F-Jugend (7-8 Jahre) das Ziel darin liegen, die Freude am Fußballspielen zu wecken und den Ball spielerisch kennenzulernen. Trainer sollten dabei auf vielseitige Bewegungsaufgaben setzen, die die Koordination von Kindern schulen – also Orientierung, Differenzierung, Reaktion und Gleichgewicht.
E-Jugend: Der nächste Schritt
In der E-Jugend (ab 9 Jahren) verschärft sich der Fokus: Geschicklichkeit, Schnelligkeit und die Förderung der Individualität stehen im Mittelpunkt. Besonders wichtig ist dabei, dass die Trainer spielerisches Lernen mit Erfolgserlebnissen kombinieren und dabei das Selbstvertrauen der Kinder kontinuierlich aufbauen.
Kleine Spielformen, große Wirkung
Forschungen zeigen, dass kleine Spielformen auf kleinen Feldern mit mehreren Toren und in verschiedenen Zahlenverhältnissen (Gleich-, Unter- und Überzahl) optimale Rahmenbedingungen für das Erlernen grundlegender Techniken bieten. Der DFB setzt dabei auf ein Konzept mit großer Nettospielzeit: Bis zur U16 sollte jeder Spieler pro Woche mindestens 48 Minuten in kleinen Spielformen trainieren.
Die Vermeidung von zu früher Positionsspezialisierung und die Förderung der Beidfüßigkeit sind zentrale Prinzipien moderner Jugendausbildung. Trainer müssen verstehen, dass Lob und positive Verstärkung essentiell für die Motivationsentwicklung sind.
Systematische Talentförderung durch DFB-Stützpunkte
Das Deutsche Fußball-Bund-Talentförderprogramm bildet seit 2002 die erste systematische Förderstufe für talentierte Nachwuchsspieler. Bundesweit existieren etwa 350 DFB-Stützpunkte.
350 Stützpunkte bundesweit
Das Deutsche Fußball-Bund-Talentförderprogramm bildet seit 2002 die erste systematische Förderstufe für talentierte Nachwuchsspieler. Bundesweit existieren etwa 350 DFB-Stützpunkte, an denen rund 14.000 talentierte Spieler der U12-U15 Jahrgänge zusätzlich zum Vereinstraining trainiert werden.
Hierarchisches System
Die Talentförderung arbeitet nach einem hierarchischen System: Trainer mit mindestens DFB-B-Lizenz sichten talentierte Spieler bei Vereinsspielen und Trainingseinheiten. Besonders innovativ ist die Berücksichtigung von Spätgeborenen, die in der Vergangenheit oft unterrepräsentiert waren – neuere Reformprozesse führen daher zwei separate Talenttage durch.
Erfolgsgeschichten
Das Programm hat mehrere Nationalspieler hervorgebracht, darunter Weltmeister Toni Kroos. Die individuelle Förderung jedes Talents steht dabei im Mittelpunkt, mit Fokus auf technische Vielseitigkeit und kreatives Spielverständnis. Durch regelmäßige DFB-Trainingsdialoge werden Inhalte in Theorie und Praxis vermittelt.
Mädchen
Mädchenfußball und weibliche Förderung
Das DFB-Programm "Strategie Frauen im Fußball FF27" hat sich zum Ziel gesetzt, die Anzahl von Frauen und Mädchen bis 2027 um 25 Prozent zu steigern.
Strategie FF27
Trotz wachsender Bedeutung bleibt der Frauenfußball im Amateurbereich unterentwickelt. Das DFB-Programm "Strategie Frauen im Fußball FF27" hat sich zum Ziel gesetzt, die Anzahl von Frauen und Mädchen in den Funktionen Spielerin, Trainerin und Schiedsrichterin bis 2027 um 25 Prozent zu steigern.
Strukturelle Herausforderungen
In vielen Vereinen, die jahrzehntelang nur Männer- und Jugendfußball pflegten, fehlt die Bereitschaft und Überzeugung, Mädchenfußball ins Vereinsangebot aufzunehmen. Besonders problematisch ist der Mangel an qualifizierten Trainerinnen im weiblichen Nachwuchs- und Erwachsenenbereich.
Positive Entwicklung
Mittlerweile haben über 7.900 deutsche Fußballvereine (mehr als 30 Prozent) eine Frauenfußballmannschaft. Initiativen wie "SCORING GIRLS" adressieren Herausforderungen durch umfassende Unterstützung – von der Vermittlung an Vereine über Begleitung zu Probetrainings bis zur Finanzierung von Vereinsbeiträgen.
Verletzungsprävention und sportwissenschaftliche Ansätze
Das FIFA11+ Kids Programm reduziert die Verletzungsrate um 48 Prozent und schwere Verletzungen sogar um 75 Prozent.
FIFA11+ Kids Programm
Fußball ist eine Kontaktsportart mit erheblichem Verletzungsrisiko. Das FIFA11+ Kids Programm – ein 20-minütiges Aufwärmprogramm speziell für 7-12-Jährige – hat sich als hocheffektiv erwiesen: Es reduziert die Verletzungsrate insgesamt um 48 Prozent und schwere Verletzungen sogar um 75 Prozent.
Kinderspezifische Verletzungen
Kinder verletzen sich anders als Erwachsene: Bei unter 14-Jährigen sind häufiger die oberen Extremitäten betroffen oder es treten Knochenbrüche auf. Besonders problematisch sind wachstumsbedingte Verletzungen wie Überlastungsschäden der Wachstumsfugen.
Spielfeldqualität
Die Rolle der Spielfeldqualität darf nicht unterschätzt werden: Eine unebene Bodenbeschaffenheit, zu kurzer Rasen oder verdichteter Boden erhöhen das Verletzungsrisiko erheblich. Eine Rasenhöhe von 4 Millimetern (minimum 3mm) sollte eingehalten werden. Zusätzlich haben Kinder ein um 30 Prozent kleineres Sichtfeld und etwa doppelt so lange Reaktionszeiten als Erwachsene.
Mental
Psychische Gesundheit und mentales Training
Die psychische Gesundheit von Nachwuchsfußballern wird oft vernachlässigt. 13,4 Prozent der deutschen Leistungssportler zeigen depressive Symptome.
Alarmierende Zahlen
Die psychische Gesundheit von Nachwuchsfußballern wird in der praktischen Trainingsarbeit oft vernachlässigt, obwohl sie fundamental für langfristige Leistungsentwicklung ist. 13,4 Prozent der deutschen Leistungssportler zeigen depressive Symptome, 10,2 Prozent Beeinträchtigungen des psychischen Wohlbefindens.
Risikofaktoren
Risikofaktoren sind u.a. hohe körperliche Belastung, wenig Freizeit, großer Leistungs- und Konkurrenzdruck sowie Stress durch Schulprobleme. Mentales Training kann ab etwa zwölf Jahren altersgerecht eingeführt werden.
Mental gefestigte Spieler
Mental gefestigte Spieler reagieren in Belastungssituationen mit positiven Emotionen, situationsangepasster Erregung und ausgesprochener Fokussierung auf die sportliche Tätigkeit. Sie bleiben in schwierigen Situationen gelassen, verarbeiten Niederlagen emotional gut und handeln selbstbewusst. Ein langfristiger Aufbau mentaler Fähigkeiten sollte zum Standard werden.
Gewalt und Fairplay im Amateurfußball
Das Thema Gewalt ist ein chronisches Problem. Jährlich müssen bundesweit über 600 Spiele abgebrochen werden.
Chronisches Problem
Das Thema Gewalt ist ein chronisches Problem des deutschen Amateurfußballs, besonders in der Kreisliga. Jährlich müssen bundesweit über 600 Spiele abgebrochen werden, oft wegen Spielerausschreitungen, Zuschauerkrawalle oder Traineraggression.
Gefährdete Schiedsrichter
Schiedsrichter und junge Unparteiische sind besonders gefährdet: Junge Schiedsrichter berichten von Beleidigungen, Bedrohungen und emotionalen Belastungen, die dazu führen, dass sie das Amt aufgeben möchten. Die Gewalt geht dabei nicht primär von Spielern aus – Aggressionen kommen in der Regel von Betreuern oder Zuschauern.
Lösungsansätze
Als Lösungsansätze werden diskutiert: härtere Strafen für aggressive Zuschauer, bessere psychosoziale Schulung von Trainern und Betreuern im Umgang mit verschiedenen Charakteren, und die Vermeidung von "Feuer" durch Zuschauer durch bessere Moderation und Kommunikation.
Ausbildung
Trainer-Ausbildung und Qualifizierung
Die Qualität der Trainerausbildung ist zentral für die Jugendfußballentwicklung. Das DFB-Lizenzsystem bildet die Grundlage.
DFB-Lizenzsystem
Die Qualität der Trainerausbildung ist zentral für die Jugendfußballentwicklung. Das DFB-Lizenzsystem mit seinen verschiedenen Stufen (C-, B-, A-Lizenz) bildet die Grundlage. Ein kritischer Punkt ist jedoch, dass viele Trainer im Amateurbereich nicht ausreichend geschult sind in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Psychosoziale Kompetenz
Ein Defizit liegt auch in der psychosozialen Kompetenz von Trainern. Viele sind nicht ausreichend darin geschult, Aggression zu deeskalieren oder verschiedene Charaktertypen zu managen. Sportpsychologen argumentieren, dass psychosoziale Schulung in Trainerausbildungskursen verstärkt werden sollte.
DFB-Akademie
Die DFB-Akademie bietet ein umfassendes Ausbildungsangebot, doch der Zugang zu Fortbildungen ist für Amateurtrainer oft schwierig. Ein positiver Aspekt ist die Vernetzung durch Stützpunkte, die regelmäßige Trainingsdialoge organisieren und so Wissenstransfer sichern.
Vereinsstruktur und Ehrenamtskrise
Kreisligavereine sind stark abhängig vom Ehrenamt. Ein großes Problem ist die wachsende Schwierigkeit, Ehrenamtler zu gewinnen.
Abhängigkeit vom Ehrenamt
Kreisligavereine und Jugendfußballvereine sind stark abhängig vom Ehrenamt. Die Vereinsressourcen umfassen dabei nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch personelle Kapazitäten (Trainer, Betreuer, Platzwarte) und materielle Infrastruktur. Ein großes Problem ist die wachsende Schwierigkeit, Ehrenamtler zu gewinnen und zu halten.
Auswirkungen auf die Jugendförderung
Sportvereine berichten bundesweit über Trainermangel und Probleme bei der Besetzung von Vorstandspositionen. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Qualität der Nachwuchsförderung: Weniger Trainer bedeutet weniger spezialisierte Trainingsgruppen, größere Altersklassen und damit weniger individuelle Förderung.
Neubewertung notwendig
Eine Neubewertung des Ehrenamts ist notwendig: Trainer und Funktionäre brauchen bessere Unterstützung durch Verbände, regelmäßige Fort- und Weiterbildungsangebote, und finanzielle oder materielle Anerkennung ihrer Arbeit.
Digitalisierung und moderne Trainingsmethoden
Die Digitalisierung transformiert die Vereinsorganisation. Apps bieten Plattformen für Trainingsplanung und Videoanalyse.
Digitale Tools
Die Digitalisierung transformiert die Vereinsorganisation und das Training im Amateurfußball. Apps wie easy2coach, YouCoach und WE.TRAIN.FOOTBALL bieten Plattformen für Mannschaftsverwaltung, Trainingsplanung und Videoanalyse. Diese Tools ermöglichen es Trainern, Trainingseinheiten zu planen und Übungsbibliotheken mit über 1.000 professionell erstellten Übungen zu nutzen.
Optimierte Kommunikation
Statt chaotischer WhatsApp-Gruppen oder Excel-Listen bieten digitale Plattformen zentrale Verwaltung von Terminen, Trainingseinheiten und Spieltagen. Rollen und Rechte können granular angepasst werden, so dass Trainer, Spieler, Eltern und Funktionäre jeweils nur auf ihre relevanten Daten zugreifen.
Videoanalyse für alle
Die Digitalisierung ermöglicht auch Videoanalyse und Scouting, was früher nur professionellen Clubs vorbehalten war. KI-basierte Systeme können sogar vollständige Trainingseinheiten auf Basis von Alter und Spielerkohorten generieren. Ein Vorteil für Kreisligavereine ist, dass viele dieser Tools kostenlos oder in kostengünstigen Grundversionen erhältlich sind.
Spielfeldqualität und Infrastruktur
Die Spielfeldqualität ist ein oft unterschätzter, aber kritischer Faktor für sichere Fußballpraxis und Spaß am Spiel.
Kritischer Faktor
Die Spielfeldqualität ist ein oft unterschätzter, aber kritischer Faktor für sichere Fußballpraxis und Spaß am Spiel. Schlecht gepflegte Spielfelder erhöhen das Verletzungsrisiko erheblich und beeinflussen auch die Spielqualität negativ.
Wichtige Faktoren
Rasenhöhe: 4mm optimal, minimum 3mm, um "stumpfe Verletzungen" zu reduzieren.
Bodendichte und Ebenheit: Verdichtete oder unebene Bereiche erhöhen Gelenkverletzungen.
Bewässerung: Ausreichende Wasserversorgung vor Wettkämpfen (idealerweise 30 Minuten vor Anpfiff).
Drainagesystem: Verhindert Staunässe und Moorbereiche, die Stolperfallen darstellen.
Platzwarte als Schlüssel
Platzwarte spielen eine Schlüsselrolle in der Verletzungsprävention. Die Investition in gute Spielfeldpflege zahlt sich aus: Sie reduziert nicht nur Verletzungen, sondern ermöglicht auch mehr Spiele auf dem Platz und verbessert die Identifikation der Spieler mit ihrem Verein.